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Interview mit Märklin-Geschäftsführer Wolfrad Bächle (Teil 2)
von Friedhelm Weidelich
Interview mit Herrn Bächle, Teil 2
Stichwort Ungarn: In Györ hat Märklin eine hochmoderne Produktionsstätte mit 700 Mitarbeitern. Was wird dort alles für die Spur 1 produziert?
Auch bei den Großspuren LGB und insbesondere Spur 1 arbeiten wir generell im Standortverbund Göppingen, Ungarn und Fernost. Alle drei Standorte leisten hierbei ihren Beitrag, um Spur-1-Lokomotiven zu bekannten Preisen überhaupt noch herstellen zu können.
Rechnen Sie in Ungarn durch den Regierungswechsel mit Einflüssen auf Ihre Produktion?
Die neue ungarische Regierung hat große Herausforderungen zu bewältigen und wird auch einige Zeit benötigen, um die tatsächliche Lage in Ungarn bewerten zu können. Ein kompletter Kurswechsel ist nicht zu erwarten. Wir beobachten die Situation sehr genau.
Wünschen würden wir uns weniger Willkür bei behördlichen Entscheidungen, geringere Inflation, nicht weiter steigende Arbeitskosten sowie keine Vorgaben beim Mindestlohn.
Wir sind keine Auftragsfertigung
Zurück zur Spur 1: Wir haben hier bei Ihren Mitbewerbern Lieferzeiten bis zu elf Jahren. Das macht bei den Kunden kaum noch jemand mit und ist unseriös. Viele Ankündigungen sind offenbar Platzhalter, obwohl die Zeit der Doppelentwicklungen fast vorbei ist und niemand Angst haben muss, dass jemand eine aufgegebene Idee übernimmt. Dazu kommen viele Ankündigungen, die man mit etwas Hintergrundwissen nicht ernstnehmen kann. Sie scheinen seit der EG 507/508 aufs Tempo zu drücken: Ankündigen und sofort oder in wenigen Monaten liefern. Sie gehen also ins unternehmerische Risiko und warten nicht auf ausreichende Vorbestellungen. Warum?
Wir sind keine Auftragsfertigung. Wir sehen die Ankündigungspolitik einiger Marktteilnehmer kritisch. Unserer Meinung nach sollten Modelle, die den Kunden offeriert werden, auch möglichst zeitnah geliefert werden. Natürlich gibt es immer wieder den Fall, dass sich Ausliefertermine aus verschiedenen Gründen verschieben, aber dies sollte die Ausnahme sein. Aber dafür haben unsere Modellbahnfreunde auch Verständnis. Bei zu langen Wartezeiten erlischt das Interesse am jeweiligen Modell bei unserer Kundschaft, was schlussendlich den tatsächlichen Verkaufszahlen abträglich ist.
Böse Zungen behaupten gern, dass Märklin – zum Beispiel bei der Henschel DH 500 Ca – Mitbewerber nachmacht. Wie lange Vorlauf haben Sie gewöhnlich intern, bis eine Neuheit angekündigt wird? Wer redet da alles mit?
Nach einer bedachten Modellauswahl benötigen wir ungefähr gut zwei Jahre, bis ein Modell fertig entwickelt und produziert ist. Deshalb von „nachmachen“ zu sprechen, ist einfach falsch! Wir entscheiden uns für jene Modelle, von deren Erfolg wir überzeugt sind, unabhängig vom Mitbewerber!
Die DH 500 ist komplett eigenständig konstruiert und wird eigenständig produziert. Wir haben keine Information über Projekte von Mitbewerbern. In einigen Fällen arbeiten Firmen parallel an denselben Projekten, ohne voneinander zu wissen. Veröffentlicht ein Hersteller die Neuheit, wird auch jeder andere Hersteller dazu verführt, das Modell vorzustellen, ob geplant oder nicht.
Produktmanager Faulhaber hatte mir vertraulich ein klassisches Modell verraten, das bald als Neuheit angekündigt werden soll.
Wir arbeiten daran, aber noch ist keine Entscheidung zur Ankündigung gefallen. Es gilt zu bedenken: Würden wir dieses Modell früh ankündigen, dann ist die Zeit zwischen Ankündigung und Auslieferung wieder länger, was, wie schon gesagt, unseren Kunden nicht unbedingt gefallen wird. Außerdem haben wir davor noch andere Modelle in der Planung.
Lange Zeit gab es kaum kompakte Loks und Einsteigerpackungen, wobei die Digitaltechnik ja die Preise tüchtig nach oben treibt. Wir brauchen aber preiswerte Fahrzeuge für kleine Anlagen und vor allem für jüngere Einsteiger. Tut sich da, außer mit der Henschel-Lok, etwas?
Die Henschel-Lok haben wir bewusst ausgewählt, um gerade Einsteiger und Modellbahner mit kleineren Anlagen zufrieden zu stellen. Die neue Werkslok wird bestimmt nicht das einzige Modell in diesem Segment bleiben.
Lokomotiven in Spur 1 in dieser Preisklasse sind für jeden Produzenten in der Kalkulation herausfordernd. Aber wir sehen, dass es eine Nachfrage gibt und haben dieses Sortiment im Auge. Fakt ist, dass Kunden mit kleineren Anlagen sich mit großen Loks schwertun, das ist uns bewusst.
Nach meinem Eindruck gibt es eine eingeschworene, recht gut gepflegte Märklin-Gemeinde, gerade auch bei der Spur 1 – und Modellbahner, die „aus Prinzip“ oder wegen der Systemkupplungen keine Märklin-Lok kaufen würden. Schon gar nicht aus Druckguss. Nun gibt es unter den Spur-Einsern nennenswerte Prozentsätze, die mit Finescale-Radsätzen fahren. Wäre das nicht eine Brücke, um Märklin-Feinde zu Freunden zu machen?
Wir wollen nicht von „Feinden“ sprechen, jeder hat seine Philosophie, ob das Kupplungen oder Spurkränze betrifft. Modelle nur zum Hinstellen oder mit eingeschränkten Zugkrafteigenschaften zu produzieren, ist nicht unsere Philosophie. Im Übrigen beißt sich das mit den Einsteigern und Fahrern, da die Spielfreude unter Umständen eingeschränkt wird.
Bei unseren Neukonstruktionen in Spur 1 sind Schraubenkupplungen beigelegt, der Kunde kann problemlos die Systemkupplung gegen die Schraubenkupplung tauschen. Über Finescale-Radsätze wurde hausintern schon mehrfach diskutiert, es darf aber nicht vergessen werden, dass die Kunden die hohe Funktionalität an unseren Modellen schätzen. Diese muss unbedingt gewährleistet sein.
Märklin ist ja Bestandteil des Simba-Dickie-Konzerns, der viel Erfahrung mit preiswerten funkferngesteuerten Modellen hat. Ich habe mir schon oft einen schienengängigen Unimog gewünscht, den man per Funk steuern und der auf dem Gleis rangieren kann. Verglichen mit Spur-1-Modellen kosten die Remote-Modelle fast nichts. Könnte man nicht das Know-how im Konzern nutzen, um gemeinsam einen ferngesteuerten Unimog zu bauen? Zum Beispiel mit einem Druckguss-Aufbau, den man in hoher Stückzahl preiswert im Spielzeugbereich und bei der Spur 1 verwenden kann.
Synergieeffekte mit dem Konzern werden sehr wohl geprüft.
Ein rein schienengängiger Unimog lässt sich mit bestehenden Digitalsteuerungen am Gleis bewegen. Die Funkfernsteuerung ist unserer Meinung nach nur dann sinnvoll, wenn das Fahrzeug auch abseits der Schiene eingesetzt werden kann.
Der Spur 1 Kunde wünscht sich ein sehr viel höherwertigeres Modell, was Aufbau und Chassis angeht als ein RC-Kunde. Da bewegen sich dann die Kosten für so ein Modell in einer anderen Liga als herkömmliche RC-Modelle aus dem Hause Simba Dickie. Aber auch hier gilt, wenn die Nachfrage entsprechende Stückzahlen verspricht, ist das eine Betrachtung wert.
Die Märklin- bzw. Hübner-Kupplung ist für engere Radien notwendig. Schraubenkupplungen kann man erst bei Radien ab etwa 1500 mm und mehr verwenden. Die alten Systemkupplungen sind aus heutiger Sicht viel zu groß. Da Kadee keinerlei Interesse zeigt und die Kupplungsbefestigung durch die Bohrung in der Pufferbohle genial und universell ist: Wie wäre es mit einer neuen, zierlicheren Klauenkupplung, die man leicht an Stelle der alten Kupplung einbauen kann?
Unsere Kupplung ist am Markt viel vertreten und hat sich bewährt, des Weiteren haben wir zum Spielen die TELEX-Kupplung, die auch dazu kompatibel sein muss und wie Sie sagen, unsere Kupplungsbefestigung durch die Bohrung in der Pufferbohle ist genial und universell und kann jederzeit durch eine vorbildgerechte Schraubenkupplung ersetzt werden.
Bei einer neuen Systemkupplung muss eine Kompatibilität zur bisherigen Systemkupplung an den alten Modellen gewährleistet sein. Der Entwicklung einer neuen Kupplung stehen zudem leider hohe Entwicklungskosten gegenüber.
Zum Abschluss noch die Frage nach den Preisen. Sie explodieren seit Jahren und machen die Spur 1 allmählich unerschwinglich für Rentner und Normalverdiener. Auch in China, wo die meisten Spur-1-Modelle produziert werden, steigen Lohn- und Materialkosten. Womit müssen wir rechnen?
Leider unterliegt auch die Spur 1 den allgemeinen Preissteigerungen. Das Niveau bleibt aber im Verhältnis zu den sonstigen Kosten angemessen. Märklin hat in den letzten Jahren nur geringe bis gar keine Preiserhöhung vorgenommen. Jedoch haben wir es aufgrund der allgemeinen Kostensteigerungen bei Energie, Personal, Material etc. von Jahr zu Jahr schwerer, diese mit den bestehenden Preisen für unsere Kunden abzudecken. Auf der anderen Seite werden auch unsere Kunden mit immer höheren Kosten für Lebenshaltung, Miete, Auto etc. konfrontiert. Deshalb haben wir uns ganz bewusst für die Henschel-Werkslok, eine „kleine“ Spur 1-Lokomotive, entschieden, die den Geldbeutel nicht zu sehr belastet.
Herr Bächle, ich bedanke mich herzlich für dieses Interview.


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